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Fischt Europa sich zu Tode?
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Fischt Europa sich zu Tode?

22.02.2010, 06:00 Uhr
Kiel (wnorg) -

Forscher klagen Fang-Quoten an
79 Prozent mehr Ertrag wäre möglich

Bild: ddp    

Weniger fischen würde letztlich mehr Ertrag produzieren. Die derzeitigen Fangquoten aber ruinieren nach Ansicht von Forschern den europäischen Fischbestand. Den Beständen von Kabeljau, Scholle und Heilbutt geht es sehr schlecht. Dabei könnte man die Bestände durchaus stabilisieren. Dafür müsste aber bald etwas geschehen. Sonst zahlen die Verbraucher am Ende die Zeche mit explodierenden Preisen und schließlich mit dem totalen Fischverzicht bei immer mehr Fischarten.

51 Fischarten bedroht

Noch 2002 waren sich die europäischen Länder beim Weltgipfel in Johannesburg einig. Die Fischbestände sind bis 2015 soweit aufzubauen, dass sie den höchsten langfristigen Ertrag liefern können. Das Ziel ist nach Analysen von Kieler Wissenschaftlern des Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft" schon heute nicht mehr zu halten: Mit Seelachs, Ostsee-Sprotte und Stöcker erreichen nur drei von 54 untersuchten Fischarten im Nordost-Atlantik eine ausreichende Bestandsgröße.

Stabiliseren durch Fangquote

Der Zustand von zwölf Fischarten wie zum Beispiel Kabeljau, Scholle oder Heilbutt ist so schlecht, dass sie sich auch bei Einstellung der Fischerei nicht bis 2015 erholen könnten. Weitere Bestände ließen sich allein bei einer entsprechend reduzierten Fangquote rechtzeitig stabilisieren. Diese Ergebnisse veröffentlichten jetzt Kieler Wissenschaftler, die im Exzellenzcluster fächerübergreifend forschen.

Verstoß gegen Vorsorgeprinzip

Dr. Rainer Froese, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und Prof. Dr. Alexander Proelß, Walter-Schücking-Institut für Internationales Recht an der Christan-Albrechts Universität zu Kiel legen in ihrer Analyse der Fischbestände außerdem dar, dass die regelmäßige, andauernde Überfischung zahlreicher Fischarten das im europäischen Recht verankerte Vorsorgeprinzip verletzt.

"Das Vorsorgeprinzip ist ein verbindliches Rechtsprinzip, an das sich die europäischen Organe wie Kommission und Ministerrat halten müssen. Mit der derzeitigen Praxis verstößt die Europäische Union nicht nur gegen das Völkerrecht, sondern auch gegen das eigene EU-Recht", erklärt Prof. Proelß.

30 Jahre Folgewirkung?

Im Gegenteil: Die Fangquoten für 2010 liegen wieder weit über den Mengen, die einen Aufbau der Bestände zulassen würden. "Wird die heutige Praxis fortgesetzt, verfehlt Europa das vom ihm selbst propagierte Ziel des Wiederaufbaus der Fischbestände um mehr als 30 Jahre", sagt Dr. Rainer Froese, Fischereibiologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

79 Prozent mehr Ertrag möglich

Dabei könnten die Bestände und damit die Fangmenge für einzelne Fischarten bei nachhaltigem Management deutlich höher ausfallen. "Nach unseren Berechnungen wären bis zu 79 Prozent mehr Erträge zu erzielen", so Froese weiter. "In den Gewässern der europäischen Union werden die Bestände aber so gemanagt, dass sie gerade nicht zusammenbrechen. Diese Politik ist weder wirtschaftlich, noch ökologisch vertretbar."

 
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