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Wenn die Seele streikt
Berlin (wnorg) -
Immer mehr Menschen gehen wegen psychischer Erkrankungen immer früher in Rente.
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| Bild: Dimco / fotolia.com |
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Depressionen oder Angststörungen sind mittlerweile der Hauptgrund für einen meist unfreiwilligen Vorruhestand. Macht die moderne Leistungsgesellschaft unsere Seelen krank?
Die Zahlen sind sprechen für sich: Im vergangenen Jahr hörten bundesweit fast 71.000 Arbeitnehmer aufgrund psychischer Erkrankungen vor Erreichen der Altersgrenze auf zu arbeiten. Das sind fast 40 Prozent der rund 180.000 Fälle von verminderter Erwerbsfähigkeit. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 waren es knapp 64.500 und 1993 nur 41.000 Fälle. Die Tendenz, eine Erwerbsminderungsrente wegen psychischer Überbelastung zu beantragen, ist deutlich steigend. Eine zunehmende Arbeitsverdichtung sowie immer mehr Hektik und Stress werden als Ursachen angenommen. Hinzu kommen bei vielen Menschen wachsende Unsicherheiten im privaten Umfeld.
Zudem sind die Menschen, die gesundheitsbedingt in Frührente gehen, immer jünger. 1980 waren die erwerbs- und berufsunfähigen Neurentner im Durchschnitt 56 Jahre alt, während sie heute nur knapp über 50 sind. Bei psychischen Störungen liegt der Durchschnitt sogar bei 48,3 Jahren. Schwierigkeiten mit Skelett und Muskeln oder Herz- und Kreislauferkrankungen sind weit weniger häufig der Anlass für eine vorzeitige Arbeitsaufgabe.
Experten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sehen den Anstieg der seelischen Leiden vor allem in einem veränderten Blick auf die Diagnosen. DRV-Direktoriumsmitglied Axel Reimann spricht von einer „Enttabuisierung psychischer Erkrankungen“. Die Sensibilität für diese Problematik habe bei Ärzten und Betroffenen zugenommen. Wo Mediziner beispielsweise Rückenbeschwerden früher fast ausschließlich den Skelett-Erkrankungen zugerechnet haben, würde heute nach möglichen psychischen Gründen gefragt und auch anerkannt.
Seelische Störungen sind zur Volkskrankheit Nummer eins geworden. Das belegen auch die Erhebungen der Krankenkassen. Der Anstieg von Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen hat dramatische Dimensionen angenommen. Eine frühzeitige Hilfestellung am Arbeitsplatz könnte die Situation in einigen Fällen entschärfen. Personalchefs, Vorgesetzte und Kollegen sollten Sensibilität für das Thema aufbringen. Denn je länger eine solche Krankheit unbehandelt bleibt, desto schwerwiegender sind die Folgen für den Betroffenen.
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